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Die Vorgeschichte
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Hermann Hauser, der Gründer von Acorn, wurde in Wien geboren. Nach seinem Abschluß an der Wiener
Universität, zieht er nach Cambridge um zu promovieren. Anschließend arbeitet er noch ein weiteres Jahr in den
Cavendish Labors.
Am 5. Dezember 1978 gründet er, zusammen mit Chris Curry, eine kleine Firma mit Namen Acorn.
Die Firma entwickelt zunächst einen elektronischen Spielautomaten und die Systeme 1 bis 5, bis Roger
Wilson, ein Cambridge Student, ihnen mitteilt, daß er einen Computerbausatz erstellen könne, der besser
sei, als alle bisher auf den Markt verfügbaren (später, nach seinem Abschluß tritt Wilson Acorn bei). Hauser
und Curry sind damit einverstanden einen Prototypen zu entwickeln und ihn, falls er gut ist, auch zu verkaufen.
Eine Woche später erscheint Wilson mit dem Prototypen und einer selbstgeschriebenen Systemsoftware, die noch in
ein PROM gebrannt werden mußte. Hauser zweifelt, daß die Software fehlerfrei ist und fragt, wie er diese denn
überprüft hätte. Wilson entgegnet aber nur, daß dieses nicht notwendig sei, da er diese gleich von Anfang an
korrekt programmiert hätte. Tatsächlich sind aber noch zwei kleine Fehler vorhanden, die fünf Minuten später
aber beseitigt sind.
Die Firma beginnt mit der Herstellung des Computerbausatzes, der 1979 auf den Markt kommt. Zeitgleich
erscheint in den USA von Apple ebenfalls der erste Rechner. Hauser verfolgt mit seinem Bausatz zwei wesentliche
Punkte: Zum einen soll der Rechner technologisch vor allen Konkurrenten liegen, zum anderen soll er einfach zu
benutzen sein. "Einfach zu benutzen" heißt in der damaligen Zeit allerdings, daß Programme per Hexcodes
eingegeben werden müssen. Auf einer Computermesse stellen sie den neuen Rechner fertig zusammengebaut vor. Auf
dieser soll sich auch folgendes ereignet haben (Ausschnitt aus einem Interview mit Hauser):
'Onto the stand came a nine-year-old boy with his younger brother in tow. And he said: "Look, Johnny,
this is the new Acorn machine." I thought, precocious whizzkid, knows the Acorn. And he said: "Look, Johnny,
this is a hexadecimal keyboard." And I thought, this kid's really picked up some jargon here. Then he said:
"Look, Johnny, it says Mem here; this is probably for memory." So I thought, this will throw him. So he pressed
Memory, and said: "Ha! You've got four hexadecimal digits here: this must be the address." He went on like this
through the whole thing. I was just completely flabbergasted, because he knew more about it than I
did.'
Aber so kompliziert der Bausatz auch für Erwachsene ist, er ist doch leichter zu bedienen, als die
Konkurenzprodukte; auch ist der Rechner erweiterbar, u.a. mit einer Videokarte oder mehr Speicher.
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Der Atom
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Der
nächste Rechner von Acorn ist der ATOM, der im März 1980 auf dem Markt erscheint. Dieser verfügt über
zwei ungewöhnliche Features: Zum einen kann man ihn an einen Fernseher anschließen, zum anderen besitzt er ein
richtiges Gehäuse! Dieser neue Rechner wird in ganzseitigen Anzeigen in Practical Electronics beworben
und kostet £120 als Bausatz und £170 fertig zusammengebaut. Der ATOM hat einen derartig großen Erfolg, daß
Hauser und Curry die eintreffenden Schecks sackweise zur Bank bringen können.
Die junge Firma braucht aber schnell mehr Geld, da die £200 Startkapital, die Hauser und Curry eingebracht
haben, auch 1978 nicht ausreichend für eine Firmengründung sind. So stattet Hauser dem Manager der örtlichen
Bank einen Besuch ab. Von diesem bekommt er einen ersten Kredit über £5000, einen zweiten über £10000. Weitere
Kredite nimmt Hauser noch in den nächsten Monaten auf.
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Der BBC Micro
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In den frühen 80er Jahren, startet die BBC (British Broadcasting Corporation) das "BBC Computer Literacy
Project", hauptsächlich wegen der BBC-Dokumentation "The Mighty Micro". In dieser Dokumentation sagt ein
Professor die kommende Computer-Revolution voraus und wie wichtig diese für die Wirtschaft, Industrie und
alltägliche Leben sein wird.
Die BBC will ihr Projekt auf einen Computer aufbauen, der in der Lage sein soll, all die Dinge zu machen,
die in der Serie "The Computer Programme" ziemlich gut erklärt werden. Er muß folgende Themen abdecken:
Teletext/Telesoftware, Kommunikation, Steuerhardware, Programmierung, künstliche Intelligenz, Graphik, Sound
usw. Sie setzen ein Papier auf, daß die Leistungsmerkmale enthält und gehen auf die Suche nach einen
Hersteller. Zwar führt die BBC erste Gespräche mit Clive Sinclair, aber dieser versucht den
NewBrain an sie zu verkaufen, der die Spezifikationen nur sehr ansatzweise erfüllt. Die BBC nimmt aber
auch zu anderen Firmen kontakt auf, u.a. mit Acorn.
Ein kleines Team bei Acorn (u.a. mit Roger Wilson, Steve Ferber und Ramesh
Bannerji) arbeiten drei Nächte durch, um einen Prototypen, den Arcon PROTON, der BBC rechtzeitig zu
präsentieren. Der PROTON erfüllt nicht nur die Spezifikationen der BBC, er übertrifft sogar fast alle und ist
somit der klare Gewinner und 1981 schließt Acorn einen Vertrag mit der BBC ab. Acorn braucht jetzt aber wieder
Geld und Hauser versucht bei seiner Hausbank diesmal 1 Million Pfund locker zu machen. Dieses wird ihm
verweigert. Barclays nutzt die Chance und leiht Acorn die 1 Million Pfund.
Im Januar 1982 erscheint das erste Modell, das BBC Modell A mit 16KByte RAM und wird für £235, das
BBC Modell B mit 32KByte RAM für £335 verkauft und wird zum "de facto" Standard in den Schulen. Der
Rechner verfügt auch noch über ein nettes Feature, über das später auch der Sinclair Spectrum verfügt: Er kann
Text blinken lassen. Selbst virtuelle Bildschirme mit bis zu 1280x1024 Pixeln werden unterstützt und
entsprechende Befehle sind im Basic schon implementiert. Die Soundfähigkeiten sind ebenfalls sehr gut: 4 Kanäle
(3xSound, 1xRauschen) und optional ein Hardware-Sprachsynthesizer werden unterstützt. Der Synthesizer basiert
auf Phonemen, die vom BBC-Sprecher Kenneth Kendall gelesen und digitalisiert wurden. Der Hardwaresupport
erlaubt (fast) alles anzuschließen, was bisher an Rechner anschließbar ist: Cartridges, Cassettenrecorder,
Drucker per Centronics-Port, RS-432 Geräte, Diskettenlaufwerke, TV/Monitor, Analog-Joysticks, zweiter Prozessor
(6502, Z80 (für CP/M), 32016 und ARM1) und ein Userport stehen zur Verfügung.
Acorn ist so stolz auf die Technologie, die einen zweiten Prozessor erlaubt, daß diese als Warenzeichen
eingetragen wird: The Tube.
Der BBC Modell B mit dem zweiten 6502 Prozessor entwickelt sich später zum Master Turbo, der BBC mit
dem zweiten Z80 Prozessor wird später zum Master 512, aber hat einen 80186 als Hauptprozessor.
1982 erreicht der BBC Micro in England einen hohen Verbreitungsgrad. Acorn schätzt, daß ca. 12000
Stück verkauft werden, tatsächlich werden es aber schließlich über 1,5 Millionen BBC Micros. Die BBC dreht
einige Serien über den BBC Mirco, darunter: "The Computer Programme", "Making the Most of The Micro",
"Computers In Control" (über Roboter und Hardware), "Micro Live" (wöchentliches Computer Magazin), und
"Doomsday Project" im Jahre 1986. In vielen weiteren Serien (u.a. "Dr.Who") und Trailern, wird der BBC Mirco
gezeigt, oder er produziert einige Graphikeffekte.
Bill Gates kommt sogar extra zu einem Gespräch nach England, um Hauser zu fragen, ob Acorn MS-DOS
adaptieren möchte. Aber weder MS-DOS, noch MS-BASIC wird von Acorn lizensiert. Wilson hat seinen eigenen
Interpreter entwickelt, der MS-BASIC in jedem Punkt schlägt. Und zu dem Vorschlag, MS-DOS zu adaptieren,
bekommt Bill Gates nur als Antwort, er solle sein Betriebssystem mit ihrem eigenen System vergleichen und wird
feststellen, daß sie mit MS-DOS einige Schritte zurück machen würden. Das Betriebssystem enthält u.a.
Netzwerk-Fähigkeiten, die von Andy Hopper entwickelt wurden und als "Cambridge Ring" bekannt
werden, noch Jahre vor Ethernet (und in einigen Punkten auch besser). Teile des "Cambridge Ring" werden später
sogar noch bei ATM (Asynchronous Transfer Mode) benutzt. Allerdings verpasst Acorn die Chance diese
Technik zu standardisieren. 1984 kopiert Apple den Cambridge Ring unter den Namen AppleTalk. Das BBC Basic wird
aber auf einige Systeme portiert, u.a. dem IBM-PC und Apple Mac. Bei zwei Rechnern ist es sogar standardmäßig
vorhanden: Beim Z88 (von Sinclair) und dem Tatung Einstein.
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Der Electron
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Gerade weil der BBC B auch gut zu erweitern ist, ist er auch recht teuer. So entscheidet sich
Acorn dafür, noch einen günstigeren Rechner (gerade mal der halbe Preis vom BBC B) auf den Markt zu bringen,
den ELECTRON. Er erscheint 1983 auf dem Markt und verfügt ebenfalls über das sehr gute BBC-BASIC und
alle Graphikmodi (bis auf den Teletext-Mode). Anstelle von drei Soundkanälen hat er nur einen und die teuren
Expansionsports wurden entfernt (sind aber mit einer Zusatzkarte "Plus 1" und "Plus 3" wieder verfügbar).
Weihnachten besteht eine derart große Nachfrage an Electrons, daß Acorn diese nicht befriedigen kann und
viele potentielle Käufer sich für den ZX-Spectrum von Sinclair entscheiden. Ein Jahr später erscheint der
Amstrad CPC zusammen mit einem Monitor, Cassettenrecorder und einem vernünftigen Basic. Das gibt dem Electron
den Rest.
Der Electron verfügt nicht über die 6845 CRTC des BBC, nur eine ULA. Hardware-Scrolling wird
nicht unterstützt und die Graphikmodi 0, 1 und 2 sind merklich langsamer. Die einfachere Tastatur verfügt auch
über keine zusätzlichen Funktionstasten.
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Der BBC Master
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1984 bricht der Heimcomputermarkt zusammen. Atari und Commodore werden verkauft, Apple geht es sehr schlecht
und auch Acorn muß kürzertreten. Aber die Rettung kommt im September 1985 von Olivetti, die 80% der
Aktienanteile aufkaufen (und auch heute noch der zweitgrößte Anteilseigner ist).
Als 1984 die Technik weit fortgeschritten ist, fällt der BBC zurück. So erscheint in diesem Jahr der BBC
Micro Modell B+, ein BBC B mit 64KByte oder 128KByte RAM. Da er über sonst keine Verbesserungen verfügt,
wird er nicht sehr häufig verkauft. 1985 erscheint der BBC Master in mehreren Versionen: Master
128 (128KByte RAM), Master Turbo, Master ET ("Econet Terminal" ohne Cassettenrecorder oder
Diskettenlaufwerk), Master 512 (mit 512KByte RAM und der Fähigkeit DOS+ und GEM laufen zu lassen),
Master Compact (nur ADFS, kein Cassettenanschluß).
Der Master besitzt bessere Graphikauflösungen und neue professionelle Features. Er besitzt auch zwei
Cartridge-Ports (wie beim Electron Plus 1). Trotzdem ist der Master nur ein Lückenbüßer, der Geld für das
nächste große Projekt bringen soll; allerdings hat er schwer mit dem Atari-ST zu kämpfen, der günstiger
ist.
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Der Archimedes
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Der Acorn Archimedes erscheint Juni 1987 in zwei Varianten, als 300 und 400, und ist der
erste Heimcomputer, der einen RISC Prozessor verwendet. Der 300er wird mit 512KByte RAM geliefert
(erweiterbar bis 1MByte) und verfügt über zwei Erweiterungsslots (2x64 Pins), der 400er kommt mit 1MByte RAM
und hat vier Slots (einer mit 96 Pins). Beide werden mit BBC Basic V (sehr schnell), Desktop Manager
(GUI) und einem BBC Modell B Emulator geliefert. Bis zum A3020 trägt er noch das BBC Logo, obwohl er nicht mehr
kompatibel zum BBC ist (bis schließlich ein 6502 Emulator zum RISC OS geliefert wird).
Der Archimedes ist dem BBC/Master weit überlegen. Man erinnere sich nur an das 3D-Demonstrationsspiel
"Lander" oder "Zarch" von Superior Software. Er ist über 10-mal schneller als ein vergleichbarer PC zu dieser
Zeit (386/16MHz) und leistet 4 MIPS.
1988 erscheint RISC OS, ein Multitasking OS und GUI, das u.a. auch Anti-Aliasing bei den Fonts und
Laser-Drucker unterstützt (Ende 1988: RiscOS 2, 1989: RiscOS 3.0). Im Februar 1989 wird der R140
vorgestellt, die erste Unix Workstation unter £4000; im Mai 1989 dann der A3000 (der neue BBC
Microcomputer). 1990 gründet Acorn die Advanced RISC Machines Ltd (ARM) in Zusammenarbeit mit Apple
Computer Inc und entwickeln den ARM Prozessor (u.a. von denselben Leuten, die auch für den ersten
Computerbausatz verantwortlich waren).
1991
kommt der A4 auf den Markt, eine Laptop Version des Archimedes (der erste Laptop mit einem RISC
Prozessor und auch schnellste). Er ist fünfmal schneller als ein 486er mit 50MHz und das Betriebssystem ist in
einem 2MByte großem ROM untergebracht. Das Display ist 9" groß und die Akkus erlauben eine Laufzeit von 3
Stunden.
Nach dem A4 bringt Acorn 1994 die RiscPC auf den Markt. Der RiscPC 600 verwendet den ARM 610
mit einer Taktfrequenz von 30MHz und als Betriebssystem RiscOS 3.5. 1995 erscheint der Nachfolger
RiscPC 700. Die RiscPCs besitzen 2 Steckplätze für die CPUs, wobei der 2.Steckplatz für eine x86-Karte verwendet
werden kann. Hiermit ist es sogar möglich, Windows (3.x) in einem Fenster laufen zu lassen. Mit diesen
Prozessorsteckplätze ist es sogar möglich in einem RiscPC 600 einen StrongARM (mit 200MHz) einzubauen. Es muß
lediglich das Betriebssystem aktualisiert und die Karte getauscht werden. Auch die Übertaktung der Prozessoren
ist möglich, so daß ein StrongARM ohne weiteres mit 287MHz laufen kann.
1997 erscheint der A7000+, eine einfachere Variante des RiscPC 700. Bei diesem muß sich der Anwender
für entweder eine Erweiterungskarte oder ein CD-ROM Laufwerk entscheiden und es gibt kein VRAM. Dafür ist der
Rechner recht klein und günstig. Zu dieser Zeit ist auch Acorn im NC-Fieber und entwickelt für Oracle den
Netsurfer, zu dem es später noch einen Nachfolger, die Netstation, gibt. Das Betriebssystem ist
NC OS 1.06 (ein modifiziertes RiscOS 3.6).
1998 stellt Acorn die Entwicklung neuer Rechner ein und 1999 werden die Reste von
Pace aufgekauft. Die Entwicklung des Betriebssystems wird von RiscOS Ltd. fortgeführt (aktuell ist heute
(Mitte 1999) Version 4.02) und einige Drittanbieter wollen Computer mit diesem OS anbieten. So bietet die Firma
Castle Technology Ltd. u.a. die Modelle 7000+ Classic und 7000+ Odyssey an.
Acorn stellt weiterhin RISC basierte Produkte her. Seit 1992 ist Acorn der führende Lieferant für
Informationsprodukte für Schulen in England und der führende Lieferant von 32-Bit RISC PCs seit 1987. Acorn
arbeitet mit verschiedenen Partnern in der Industrie, Benutzern und Software Entwicklern, um Produkte für die
Ausbildung, Verbraucher und andere Märkte zu erstellen. Hermann Hauser ist nun Chef der Entwicklungsabteilung
und CEO von Acorn-Europa.
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Quelle: Personal Computer World, Mai 1993
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