| |
EACA / Trommeschläger
Fred Trommeschläger
|
Fred Trommeschläger beginnt 1969 als Einzelunternehmer mit elektronischen Bauteilen zu handeln; stellt
diesen aber 1980 ein, als mit Computern höhere Renditen erzielt werden können. Zuvor macht Trommeschläger aber
noch einen kurzen Ausflug in die Fliegerei: 1975 übernimmt der begeisterte Flieger die deutsche
Alleinvertretung für Sportflugzeuge des texanischen Herstellers Mooney. Als die Nachfrage nach Sportflugzeugen
der Marke Mooney 1982 stark zurückgeht, wird auch deren Vertrieb eingestellt.
Der eigentliche Handel mit Computern beginnt 1979 eher beiläufig damit, daß bei einer Flugzeugüberführung
aus den USA einige Mikrocomputer der Marke TRS-80 mit eingeführt werden.
1980 wird die Trommeschläger Computer GmbH gegründet, deren Firmenname Mitte 1983 in
TCS Computer GmbH (kurz auch TCS) geändert wird, da man sich von dem neuen Namen
eine bessere Einprägsamkeit verspricht.
Zunächst vertreibt TCS aus den USA importierte TRS-80 Mikrocomputer des Herstellers Tandy, der
zu dieser Zeit mit einem Marktanteil von über 40% der meistverkaufte Mikrocomputer in den USA ist.
In Deutschland steht der TRS-80 nach dem Commodore PET und dem Apple II nur an dritter Stelle der abgesetzten
Geräte. Tandy vertreibt den TRS-80, gelenkt von einer Europazentrale in Belgien, bundesweit über eigene
Filialen und Vertragshändler. Mit Preisen, die bis zu 30% unter denen der Tandy-Händler liegen, werden
TCS die Computer regelrecht aus den Händen gerissen. Die in mehreren Fachzeitschriften erscheinenen Anzeigen
enthalten alle den Hinweis: ":Angebot freibleibend, Auslieferung erfolgt in Reihenfolge der Bestellungen":.
Es versteht sich von selbst, daß die etablierten Tandy-Händler über die Kampfpreise von TCS verärgert sind.
So kommt es im Frühjahr 1980 zu folgender Begebenheit: Der Leiter des Tandy Computer Centers in
Dortmund, trifft Fred Trommeschläger auf der Hannover-Messe und erzählt ihm, daß er auf der Messe einen
TRS-80 kompatiblen Computer gesehen habe. Dieser werde bald zu einem Preis angeboten werden, der ihm
die Kunden schon wieder abjagen werde.
Es kommt jedoch ganz anders. Nach diesem Hinweis suchen alle Mitarbeiter Trommeschlägers die Messe
systematisch ab und finden den Computer: Der Genie I, hergestellt von EACA in Hong Kong.
|
Genie I/II
|
Der Genie I ist der erste Genie-Computer. Er ist ein weitgehender Nachbau des TRS-80 und verfügt über
einen Z80A Mikroprozessor.
Als Fred Trommeschläger zu Verhandlungen nach Holland mit seinem eigenen Flugzeug kommt, liegen mehrere Firmen
um die Alleinvertriebsrechte für den Genie I bereits im Rennen. Sein Auftritt mit eigenem Flugzeug beeindruckt
seine Gesprächspartner aus Hong Kong aber dermaßen, daß Trommeschläger die exklusiven Vertriebsrechte
für die Genie-Computer erhält.
Mit Einführung des Genie I steigt der Jahresumsatz sprunghaft an (Umsatz- und Gewinnentwicklung 1980-1983):
| |
Umsatz |
Gewinn |
| 1980 |
1.850 TDM |
72.6 TDM |
| 1981 |
7.051 TDM |
62.0 TDM |
| 1982 |
10.384 TDM |
93.7 TDM |
| 1983 |
12.654 TDM |
Verlust |
EACA entwickelt im Laufe der Zeit eine Reihe weiterer Mikrocomputer, für die TCS die exklusiven
Vertriebsrechte erhält: Genie I ab Juni 1980, Genie II ab April 1981, Genie III ab Juli 1982 und Colour Genie
ab August 1982.
Der Genie II entspricht dem Genie I, hat jedoch statt des Kassettenrekorders
eine numerische Zusatztastatur, die die Eingabe längerer Zahlenkolonnen erleichtert.
Die Mikrocomputer Genie I/II, III und IIIs sind in der Lage, für den TRS-80 geschriebene Programme zu
verarbeiten. Für Genie III und IIIs existiert ebenfalls das Betriebssystem CP/M, das als Standard-Betriebssystem
für 8-Bit-Mikrocomputer gilt.
Während viele Konkurrenten nur englische Dokumentationen (und diese teilweise auch noch sehr schlecht ist) für
ihre Produkte anbieten, legt man bei TCS großen Wert darauf, daß alle Computer mit umfangreichen deutschen
Handbüchern ausgeliefert werden. Dieses wird von den Kunden hoch geschätzt, ebenso die Tatsache, daß TCS als
mittelständisches Unternehmen flexibel genug ist, auch auf individuelle Kundenwünsche einzugehen.
Neben Mikrocomputern werden von TCS in zunehmendem Maße auch Peripheriegeräte vertrieben. Insbesondere
Matrix-Drucker entwickelten sich zu einem wichtigen Umsatzträger. Diese werden u.a. von den japanischen
Unternehmen Epson (1980-1981), Itoh (1981-1982) und Star (ab 1982) geliefert. Der Wechsel der Lieferanten
ist wiederholt nötig, da diese stets folgende Strategie verfolgen: TCS bereitet mit seinem
etablierten Händlernetz den Markt vor und macht das jeweilige Produkt bekannt. Dafür werden TCS sehr gute
Einkaufskonditionen eingeräumt. Ab einem gewissen Umsatz lohnt es sich für die Lieferanten, eine eigene
Vertriebsorganisation aufzubauen und TCS dann nicht mehr zu beliefern. Das bedeutet jedesmal eine
kostenintensive Umstellung auf einen neuen Lieferanten mit neuen Druckern.
|
Genie III, Colour Genie
|
Juli 1982 bringt TCS den Genie III heraus. Dieser ist ebenfalls ein 8-Bit-PC mit einer umfangreichen
deutschen Tastatur, zwei eingebauten Floppy-Disk-Laufwerken und einem eingebauten Monitor.
Der Genie III ist durch seine Leistungsfähigkeit erstmals auch für den kommerziellen Einsatz geeignet.
Der Colour Genie, der im August 1982 auf den Markt erscheint,
ist nicht mehr zum TRS-80 kompatibel (und auch nicht zum Genie I/II oder III), bietet dafür eine
verbesserte Graphik und 3-Kanal-Sound. Der Colour Genie
gehört sogar zu den wenigen Rechnern, die über einen Centronics- und RS232-Port verfügen.
Der Colour Genie kann über Assembler oder dem BASIC-Dialekt "Colour BASIC" programmiert werden, wobei
letzteres direkt im ROM verfügbar ist. Zusätzlich kann der Rechner mit einem Diskettenlaufwerk erweitert
werden, welches das eingebaute BASIC um spezielle Befehle erweitert. Dieses ist auch dringend notwendig,
da die Ladezeiten per Cassettenrecorder extrem lang sind. Zum Spielen kann an dem Colour Genie ein
analoger Joystick angeschlossen werden, der aber in vielen Spielen nur eine sehr schwierige Steuerung
zuläßt.
Leider können die technischen (insbesondere die graphischen) Fahigkeiten nicht mit neueren Rechnern, wie z.B.
dem ZX Spectrum mithalten. Es gibt zwar z.B. zwei Videomodi, einen für Text und einen für Graphik, im Graphikmodus
ist aber (aufgrund der geringen Auflösung) nur eine sehr grobe Textdarstellung möglich, so daß Spiele meist den
Textmodus mit umdefinierten Zeichen verwendeten. Es gibt aus jedem wichtigen Bereich Software, das Angebot
ist aber dennoch im Vergleich zu anderen Rechnern sehr eingeschränkt.
Im Gegensatz zum GENIE I und GENIE II, die im wesentlichen
Nachbauten des TRS-80 sind, sind der GENIE III und COLOUR GENIE teilweise mit
konstruktionsbedingten Fehlern behaftet, die mit hohem eigenen Aufwand behoben werden müssen.
Wegen dieser Probleme wird im Juni 1983 mit der Eigenentwicklung eines Computers begonnen, dem GENIE IIIs.
|
Genie IIIs
|
Der Genie IIIs wird bei TCS entwickelt und ist als Nachfolger des Genie III konzipiert.
Durch einen verbesserten 8-Bit-Mikroprozessor ist der Genie IIIs doppelt so schnell wie der Genie III.
Neu am Genie IIIs ist auch die hochauflösende Grafik. Er ist voll kompatibel zum Genie I/II und III.
Der Genie IIIs wird in Deutschland gefertigt, wobei Siemens die Elektronik produziert und TCS die komplette
Montage vornimmt.
|
Der Konkurs von EACA
|
Am 5.10.1983 hält sich Fred Trommeschläger, Geschäftsführer von TCS, gerade geschäftlich in München auf.
Tagsüber besuchte er die Redaktionen von vier Mikrocomputer Fachzeitschriften, um dort über Testberichte
und Anzeigen für neue TCS-Produkte zu sprechen. Als er abends in seinem Hotelzimmer sitzt, bekommt er
am Telefon von seiner Frau, Dorothea Trommeschläger, Gesellschafterin von TCS, eine
existenzbedrohende Nachricht.
Der Marketing-Koordinator für EACA in Europa, Keuk, hatte aus Holland angerufen und berichtet, daß sich
Eric Chung, Chef von EACA in Hong Kong, mit über US$ 10.000.000 im Koffer, abgesetzt habe.
EACA sei pleite, da das Unternehmen neben Mikrocomputern viele schlecht verkäufliche Produkte wie
Billig-Radios produziert habe. Das endgültige Aus kam dann mit Fehlspekulationen auf dem Immobilienmarkt
in Hong Kong. Der Bankrott sei zwar noch nicht offiziell bekannt, an der Verläßlichkeit seiner Informationen
gebe es aber leider keinen Zweifel.
Fred Trommeschläger, der von diesem Ereignis völlig überrascht wird, begreift sofort, daß damit eine Situation
eingetreten ist, die sein Unternehmen existentiell bedroht. Ohnehin ist 1983 kein gutes Jahr.
Fred Trommeschläger hatte erwartet, daß sich das Umsatzwachstum der letzten Jahre auch 1983 fortsetzen werde.
Daher investiert er und stellt neue Mitarbeiter ein. Der Umsatz kann zwar noch gesteigert werden, aber die
Handelsspannen von TCS sind gesunken. 1983 wird das Unternehmen erstmals einen Verlust erwirtschaften und
jetzt ist auch noch sein Hauptlieferant ohne Vorwarnung ausgefallen. Dadurch fehlen wichtige Folgeprodukte,
vor allem der 16-Bit-PC, Genie 16, den EACA bereits angekündigt hatte.
Mit den bestehenden Lagerbeständen kann man das
Jahresendgeschäft zwar noch bestreiten, es ist jedoch klar, daß sich die Unternehmensleitung spätestens Anfang
1984 für eine neue Produktlinie und Strategie entscheiden muß, um die Existenz des Unternehmens zu sichern.
Der Konkurs von EACA wird sich, wie alles in dieser Branche, schnell herumsprechen. Der Gedanke, daß dann
auch sein Unternehmen von hartnäckigen Pleitegerüchten geplagt sein wird, macht ihm zusätzliche Sorgen.
|
Genie 16 und Genie IIs
|
1984 berät die Geschäftsführung über die Einführung eines neuen Genie-Computers.
Helmut Scholz, der bei TCS für Software und technische Beratung zuständig ist, setzt sich weiterhin für
den 8-Bit-PC Genie IIIs ein und lehnt 16-Bit-PCs ab, da er sich, wie er auch selbst eingesteht,
mit 16-Bit-PCs nicht besonders auskennt. Der Genie IIIs ist zwar ein interessantes Produkt, aber aufgrund der
Markt- und Technolgieentwicklung als Hauptträger des Umsatzes nicht geeignet.
Dorothea Trommeschläger präferiert den Sperry-PC. Dieser liegt aber im Endverkaufspreis nahe am original IBM-PC.
Viele Kunden würden daher das Original vorziehen, zumal TCS den Ruf eines Anbieters preiswerter Hardware hat.
Fred Trommeschläger will PCs mit Anwendungssoftware an Mittel- und Großbetriebe verkaufen. Damit wählt er
umsatzträchtige Produkt-/Markt-Kombinationen, die aber kaum zum Profil seines Unternehmens passen.
Detlef Buschke, Gesellschafter und Vertriebsleiter, sieht die Zielgruppe für den Genie IIIs bei
kommerziellen Kunden, die bereits 8-Bit-PCs einsetzen. Bei der Auswahl eines 16-Bit-PCs schlägt Buschke
den Ferranti-PC vor, denkt aber auch an Kontaktaufnahme zu taiwanesischen Herstellern. Der Ferranti-PC
soll durch sein günstiges Preis-/Leistungs-Verhältnis vor allem für private Nutzer und kleinere Betriebe
interessant sein.
TCS entscheidet sich schließlich, den Ferranti-PC unter dem Namen Genie 16 A bzw. Genie 16 B
zu vertreiben. Entgegen der Zusage des Herstellers ist das Gerät aber erst im Mai 1984 verfügbar. Zunächst
können große Stückzahlen (100-200 pro Monat) abgesetzt werden, die aber bald abnehmen, als sich herausstellt,
daß der Genie 16 A/B nicht voll IBM-PC-kompatibel ist und zudem konstruktionsbedingt wenig zuverlässig
arbeitet. Ein Jahr später wird der GENIE 16 A/B durch den Genie 16 C abgelöst, der aus taiwanesischen
Komponenten bei TCS montiert wird. Der Genie IIIs wird mit hohem Werbeaufwand eingeführt, insgesamt können
jedoch nur ca. 200 Stück verkauft werden.
Kurz darauf wird auch noch ein weiterer 8-Bit-PC eingeführt, der Genie IIs, von dem nur etwa
100 Stück verkauft werden können. Einen weiteren Home-Computer hat TCS nicht mehr vermarktet.
|
Der Konkurs von TCS
|
Mitte 1984 wird TCS nicht mehr mit Star-Druckern beliefert, wodurch sich ein Umsatzeinbruch ergibt.
Die Kosten konnten kaum gesenkt werden. In Windhagen, Rheinland-Pfalz, wird sogar noch eine eigene neue
Halle gebaut, aber auch 1984 wird wieder Verlust gemacht. Im August 1985 meldet TCS Konkurs an.
Im selben Jahr gründet Fred Trommeschläger die Phoenix Computer GmbH & Co KG, die erfolgreich
IBM-PC/XT/AT-kompatible Mikrocomputer aus Taiwan unter dem beibehaltenen Markennamen Genie importiert
und vermarktet.
|
Quelle: Mein besonderes Dank gilt Frank Seger. Die Firmengeschichte der TCS Trommeschläger wurde größtenteils
seiner Diplomarbeit entnommen, die er 1986 als Student in diesem Unternehmen angefertigt hatte.
|