Pong

Level 2: Atari steigt auf

In den Fußstapfen von Pionieren wie William Higinbotham, Steve Russell und Ralph Baer beginnt Nolan Bushnell eine komplette Unterhaltungsindustrie zu gründen, die in wenigen Jahren selbst die 80 Jahre alte Filmindustrie in den Schatten stellen wird.


Der Videospiel-Knaller: PONG

Nolan Bushnell hat zwar mit Computer Space einem ziemlich großen Flop gelandet, aber zumindest ist das futuristisches Fiberglasgehäuse ein Hit... das Spiel wird als Hintergrundrequisite in dem 70er-Jahre Kinofilm "Soylent Green" (1973) gezeigt. Aber trotz seines gefloppten ersten Produkts, bittet Nutting Associates Bushnell einen weiteren Versuch mit der Entwicklung eines weiteren Videospiels zu wagen. Als das Management seine Forderungen ablehnt, kündigt er, um seine eigene Firma zusammen mit seinem Partner Ted Dabney zu gründen. Ihre Absicht ist es die Spiele zu entwerfen und eine große Firma diese produzieren zu lassen. Ihr Startkapital beträgt US$250 von Bushnell und US$250 von Dabney, der erzielte Gewinn aus Computer Space.

Atari gegründet 1972 Sie taufen die neue Firma auf den Namen "Syzygy", der in der Astronomie eine Winkelstellung ist, bei der Sonne, Erde und Mond oder einer der Planeten auf gleicher helio- bzw. geozentrischer ekliptikaler Länge stehen. Auf dem Computer Space Automaten taucht "Designed by Syzygy" schließlich auch auf. Gott sei dank war der Name bereits auf eine andere Firma, eine kerzenherstellende Hippie-Kommune, eingetragen. So entscheidet sich Bushnell letztendlich für einen Namen aus dem Spiel GO, ein japanisches Brettspiel, das er gerne spielt. Atari ist gleichbedeutend mit einem Schach in diesem Spiel und ist auch der Name, den er für die neue Firma nimmt (es mag ironisch klingen, aber ein paar Jahre später setzt sich gerade diese Firma durch ein katastrophales Marketing Schachmatt).

Atari wird offiziell am 27. Juni 1972 von dem jetzt 27 Jahre alten Bushnell gegründet. Pong - Atari 1972 Bushnell's möchte ein Autorennen als erstes Spiel zu produzieren und Al Alcorn, der Ingenieur den Ampex angestellt hat um Bushnell zu ersetzen, wird dazu gebracht es zu entwickeln. Aber Bushnell ändert seine Meinung und entscheidet, dass sie den Neuling Alcorn zuerst ein vereinfachtes Tennis-Spiel entwickeln lassen, bei dem der Spieler mit einem Schläger einen Ball über den Bildschirm schlägt. Er ermuntert Alcorn, indem er ihm erzählt, dass seine Firma bereits einen Vertrag mit General Electric hat, dieses Spiel zu vermarkten. Einen solchen Vertrag gibt es allerings nicht. Obwohl Bushnell für diese Zeit unmögliche Soundeffekte haben möchte, packt Alcorn Piepstöne in das Spiel, die damals schon als fertige Schaltkreise zu haben sind... und als Alcorn das Geräusch beschreibt, wenn der Ball den Schläger trifft, gibt er versehentlich dem Spiel seinen Namen... PONG. Das Innenleben ist fest verdrahtet... keine ROMs oder Mikroprozessoren!

Das Ding ist nur für diese eine Sache gebaut worden... Pong spielen.

Pong - Atari 1972 Nachdem viel über die Geschwindigkeit des Balls und der Schläger diskutiert wurde, wird von diesem Gerät schließlich ein Prototyp hergestellt. Die Anleitung für das weltweit zweite Videospiel ist sagenhaft einfach: "AVOID MISSING BALL FOR HIGH SCORE" ("Verfehle nicht den Ball für einen Highscore"). Das Spiel wird zu einem Meilenstein. Bushnell plant schnellstmöglich die Arbeit an Pong abzuschließen und ein "wirkliches", komplexeres Spiel zu entwickeln. Er macht einen Ausflug nach Chicago und versucht dem Flipper-Giganten Bally das PONG Konzept zu verkaufen. Da die Verantwortlichen von Bally das Potential, das in Videospielen steckt, total mißverstehen, machen sie einen der größten Fehler in der Geschichte: Sie werfen Bushnell raus. So entscheiden Bushnell und Alcorn den Prototyp in einer Kneipe in Sunnyvale mit Namen "Andy Capps" zu testen. Später am selben Abend bekommt Alcorn einen zornigen Anruf vom Barkeeper, der ihm erzählt, sein Spiel sei defekt und er solle das verdammte Ding bloß abholen ("get the fucking thing out of there"). Als er in der Bar ankommt und das Gerät untersucht, stellt er fest, dass die Maschine deshalb nicht funktioniert, weil sie voller Geldstückte ist und keine weiteren mehr annehmen kann. Bushnell entscheidet, dass Atari PONG selbst herstellt. Er mietet eine verlassene Rollschuhbahn, stellt einige ortsansässige Arbeiter ein, und Ende 1972 entstehen so große, gelb-blaue PONG Automaten.

Das Spiel ist ein Erfolg und jedes einzelne bringt US$100 Dollar die Woche an Einnahmen, $75 Dollar mehr als Bushnell vorausgesagt hatte. Atari verkauft 8.500 Geräte in einem Jahr, in einer Zeitspanne, in der 2.000 verkaufte Flipper schon einen Erfolg darstellen. Die Kosten eines PONG-Automaten betragen gerade einmal US$500 Dollar bei einem Verkaufspreis von $1200 Dollar. Das Spiel, das Bushnell noch als einen Schnellschuss plante, wird seine Firma für die nächsten zwei Jahre tragen.

Im Jahre 1973 beginnt ein Trend, der in diesem Industriezweig auch später noch forgesetzt werden wird... eine Überflutung des Markts mit Imitationen eines Erfolgspiels. Buchstäblich dutzende von PONG-Klonen werden auf den Markt geworfen... u.a. von Herstellern wie Nutting Associates, Bushnells alter Arbeitgeber.

Einige Variationen desselben Spielthemas sind:

Eloping - Taito Hockey TV - Sega Paddle Ball - Williams Pong Tron - Sega
Pong Tron II - Sega Pro Hockey - Taito Soccer - Taito Super Soccer - Allied Leisure
Tennis Tourney - Allied Leisure TV Football - Chicago Coin TV Ping Pong - Chicago Coin TV Ping Pong - Amuntronics
TV Table Tennis - PMC TV Tennis - Chicago Coin Winner - Midway Table Tennis - Nutting Associates

Und Atari ist auch nicht gerade kleinlich:

Dr. PONG Pin PONG PONG Cocktail
PONG Doubles Puppy PONG Quadrapong
Rebound Spike Super PONG
Kee/Atari Tank - 1974

Dieser Wettkampf nagt sehr an Dabney, der seine Hälfte der Firma an Bushnell verkauft. Atari ist jetzt klarer Marktführer und nimmt US$3.200.000 in diesem Jahr ein.

Zu einem stärkeren Wettkampf kommt es mit dem Mitbewerber Kee Games, unter der Führung von Joe Keenan. Einige hohe Atari Angestellte laufen zu Kee über und 1974 bringt die Firma Tank heraus, entworfen von Scott Bristow. Das Spielprinzip beruht auf zwei Panzer, die sich in einem Irrgarten gegenüber stehen, wobei sie verstreute Landminen meiden müssen. Das Spiel betritt neues technisches Terrain mit den verwendeten ROMs, welche die Graphiken speichern, UltraTank - Atari/Kee 1977 um mehr detailierte Bildschirmdarstellungen zu bekommen als die einfachen Klötzchen in PONG.

Tank wird der größte Hit des Jahres 1974 und es kommt ans Tageslicht, dass Kee eine geheime Tochtergesellschaft von Atari ist, gegründet, um die Forderungen von Distributoren aus der Flipper-Ärea, die exklusiven Rechte an einem Spiel zu besitzen, umgehen zu können. Der enorme Erfolg von Tank zerstört dieses Verhalten, da jeder Distributor im Spiel bleiben will. Kee and Atari 'verschmelzen' wieder zu einer Firma, mit Joe Keenan als Präsident von Atari. Atari bringt drei Nachfolger zu Tank heraus, eingeschlossen UltraTank von 1977, bei dem ein Spieler gegen einen computergesteuerten Gegner spielen kann.

Andere Spiele, die von Atari unter dem Kee-Warenzeichen hergestellt wurden:

Elimination - 1973 Formula K - 1974 Spike - 1974 Twin Racer - 1974
Crossfire - 1975 Indy 800 - 1975 Tank II - 1975 Flyball - 1976
Quiz Show - 1976 Sprint II - 1976 Tank 8 - 1976 Drag Race - 1977
Sprint 8 - 1977 Super Bug - 1977 Ultra Tank - 1978  

Atari Home Pong - 1975 In diesem Jahr greift Atari die Vorschläge von Bob Brown und Harold Lee auf, eine Heimversion von PONG herzustellen, die an den Fernseher angeschlossen werden soll. Lee, Brown und Alcorn entwickeln das System unter dem Codenamen Darlene, und starten damit eine lange Tradition die Systeme nach Vornamen von Mitarbeiterinnen zu benennen. Die Einzelhändler sind aber kritisch wegen des Mißerfolgs von Magnavox's Odyssey und somit bleibt das System in den Labors von Atari. 1975 gibt es einen Deal mit Sears Chefeinkäufer für Sportartikel Tom Quinn das System unter den Namen "Sears Tele-Games" zu verkaufen. Die Bestellung beläuft sich auf 150.000 Stück. Bushnell hat nicht annähernd die Kapazität, so viele Geräte in der Zeit zu produzieren, wie Sears es verlangt. So nimmt er von dem Spekulanten Don Valentine einen Kredit über $10 Mio. USD auf, um weiter zu expandieren.

Weihnachten wird dann Atari's US$100 Heim-PONG Konsole, Sears meist verkaufter Posten. Es gibt Berichte, daß Personen außerhalb der Läden Stunden gewartet haben, um ein Spiel zu ergattern. Coleco Telstar - 1976 Und wieder einmal schwärmen Dutzende von Herstellern aus, diesmal mit einer Vielzahl von PONG Versionen. Aber der Ansturm auf die Chips für die neue Hardware ist so groß, daß nur Coleco (Connecticut Leather Company), die ihren Namen mit dem Entwurf von Kunstoffteilen machten, ihre Chips rechtzeitig bekommen. Der Verkauf des Telstar Systems erhöht den Gasamtumsatz der Firma um ganze 65 Prozent.

Bis 1975 erwirtschaftet Atari über 40 Mio. USD jährlich und zieht die Aufmerksamkeit des Medienriesen Warner Communication auf sich. 1976 verkauft Nolan Bushnell Atari unter dem Druck von Valentine an Warner für $28 Mio. USD, mit Joe Keenan als Präsident und Bushnell als CEO zusammen mit einer Abfindung von $16 Mio. USD. Mit diesem neuen Kapital, startet Atari ein Projekt, das die Spielkonsolen revolutionieren wird. Es wird bald die Videospielindustrie prägen und den Namen Atari so allgegenwärtig wie Coke und Kleenex machen. Der Projektname lautet: Stella.

Bilder:

             

Danksagungen
Einige Bilder und Informationen stammten aus folgenden Quellen, ohne bestimmte Reihenfolge:
The Revolutionaries: Nolan Bushnell
Atari Gaming Headquarters
DP Royal Archives - Hollywood/Video Games pt 5
The Arcade Flyer Archive
GameArchive
The Giant List of Classic Game Programmers
Phoenix: The Fall and Rise of Videogames, by Leonard Herman
Game Over: Press Start to Continue, by David Sheff and Andy Eddy
Videotopia - Arcade Games
Discovery Online, You Shoulda Been There -- Pong - www.discovery.com/stories/history/toys/PONG/birthday1.html

eMail Interviews mit: Ralph Baer





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