Zany Family

Level 2: Duell der Pixelkästen

Das Atari VCS wird vorgestellt und während seine Beliebtheit steigt, entscheiden andere Firmen an diesem Erfolg teilzunehmen. Unglücklicherweise können auch nicht noch so viele Ausrufezeichen im Spieletitel die drohende Katastrophe aufhalten.


Die Odyssey geht weiter

Odyssey 2 - Magnavox 1978 K.C. Munchkin! - Magnavox 1981 Obwohl sie mit der Odyssey die Pioniere der Videospielkonsolen sind, macht Magnavox, die 1974 vom niederländischen HighTech-Unternehmen Philips aufgekauft werden, mit der orginal Odyssey ein schlechtes Geschäft seit dem Beginn der programmierbaren Systeme wie Channel F und VCS. Ihre Antwort lautet 1978 für knapp US$200 Odyssey2 (O2), die 24 eingebaute Spiele verfügt. Die O2 wird als programmierbares System entworfen. In ihr werkelt eine Intel 4-bit 8048 CPU mit 1,78 MHz und wird als "Das ultimative Videospiel-System" beworben, hauptsächlich wegen seiner innovativen, aber letztendlich unbrauchbaren, alphanumerischen Folientastatur mit 49 Tasten. Diese Tastatur ist es aber, die Atari letztendlich dazu bringt auch für sein VCS eine Tastatur anzubieten.

Videopac Es zieht auch in anderen, wichtigeren Kategorien den kürzeren; die O2 hat eine niedrigere Graphikauflösung als das VCS und nur einen Audiokanal, das VCS hat zwei. Ein anderes Problem sind die fest eingebauten Joysticks; leiern diese aus, oder brechen diese (und das passiert ziemlich oft), hat man keine andere Wahl, als das gesamte System zum Händler zurückzubringen. Später erscheint eine überarbeitete O2 mit Joystickports. Die Marketingstrategie läßt auch ein paar Wünsche offen. Die Distribution ist auf Magnavox-Händler beschränkt, was das Verkaufspotential stark einschränkt.

K.C. Munchkin! - Magnavox 1981
K.C.'s Crazy Chase - Magnavox 1982
Der Mutterkonzern Philips steht nie richtig hinter der Maschine und versucht bei jeder Gelegenheit die Videospielabteilung zu schließen. Das System hat in Europa mehr Glück, wo Philips es als Videopac G7000 vermarktet. Es werden sogar noch zwei weitere Videopac-Modelle für den europäischen Markt produziert, das G7200 mit eingebautem Monitor und das G7400, das von der Austattung mit der Odyssey 3 (siehe unten) übereinstimmt.

Es werden über 50 Spiele von Magnavox hergestellt, zwei weitere Cartridges von Imagic und vier Automaten-Umsetzungen von Parker Brothers. Verblüffenderweise werden fast alle Magnavox-Spiele von einem einzigen Mann geschrieben: Ed Averett. Er überzeugt seinen Arbeitgeber Intel davon, daß programmierbare Heimvideospiele ein guter Weg sind, die eigenen Chips zu verkaufen, und wechselt sechs Monate nach Produktionsstart zu Magnavox und beginnt dort Spiele für dieses System zu entwickeln. Wegen der technisch sehr beschränkten Ausstattung der O2, entwirft Averett einige der kreativsten Videospiele dieser Zeit. Um die Kosten gering zu halten, vermeidet es Magnavox Averett ein festes Gehalt zu zahlen und beteiligt ihn anstatt dessen an jedem verkauften Spiel. Eine seiner Entwicklungen, K.C. Munchkin!, wird zunächst das Zugpferd der O2, gerät aber letztendlich auch in Vergessenheit.

The Quest for the Rings - Magnavox 1981Munchkin! wurde entworfen, um an den unglaublichen Erfolg von Pac-Man anzuknüpfen. Averett veröffentlicht seine Version 1981 und es wird die Killer-Applikation für die O2. Es bringt Leute dazu, nur schon deswegen die O2 zu kaufen. Es bietet einige Erweiterungen zum normalen Pac-Man, wie bewegliche Pillen und einen rotierenden Monsterkäfig. Atari, das die Rechte an Pac-Man besitzt und seine unterlegene Version im selben Jahr herausbringt, ist nicht gerade begeistert. Atari verklagt Magnavox wegen Copyright-Verletzung vor einem Bundesgericht, das aber entscheidet, dass Munchkin! über genug kreative Unterschiede verfügt, um nicht unter das Pac-Man Copyright zu fallen. Zufrieden mit dieser Entscheidung, ignorieren die Anwälte von Magnavox den Berufungsprozess von Atari und die ursprüngliche Entscheidung des Gerichts wird vom Berufungsgericht wieder umgestoßen. Magnavox muss sein Zugpferd aus den Regalen zurückziehen, die O2 erholt sich von diesem Verlust nicht mehr. Averett schlägt im Jahr darauf mit dem absolut verrückten K.C.'s Crazy Chase! zurück, in dem K.C. sich durch ein Waldlabyrinth bewegt und versuchen muss den Schwanz einer Kreatur mit Namen "Dratapillar" zu fressen... ein dürftig getarnter Rippenstoß gegen Atari. Obwohl es eines der graphisch komplexesten und unterhaltsamsten Spiele unter den frühen Homevideospielen ist, erscheint es zu spät, um die O2 noch zu retten.

Versuche das System mit Erweiterungen wie The Voice, ein Sprachsythesizer, und ein Microsoft-BASIC Programmiermodul am Leben zu erhalten, scheitern am nachlassenden Marktanteil der O2. Die Master Strategy Series Spiele von Averett sind der letzte Versuch zur Wiederbelebung. Als die drei Spiele zwischen 1981 und 1982 erscheinen, besitzt jedes von ihnen erweiterten Speicher, eine umfangreiche Verpackung und beinhaltet Spielfiguren aus Plastik und Metall, die auf einem sehr ausführlichen Spielbrett die Bildschirmaktionen ergänzen. Das erste Spiel aus dieser Serie, The Quest for the Rings, gewinnt den Preis "Most Innovative Game of 1981", verliehen von Electronic Games, das erste Videospiele-Magazin dieser Zeit. Es ist auch bekannt genug, damit Magnavox ein Farbmagazin in Auftrag gibt, welches die Konsole und ihre Spiele als Thema hat. Das Odyssey Adventure Club Magazin erscheint vierteljährlich vom Winter 1982 bis Winter 1983 (1982 verlegt von Ceco Publishing Company und 1983 von J.I. Scott Company).

Odyssee 3 - Magnavox 1984 Mit über 1 Million Einheiten verkauft sich die O2 zweimal besser als andere Randsysteme wie Channel F, Vectrex und Astrocade, kommt aber bei weitem nicht an Atari heran. Als 1983/84 der Videospiele-Markt zusammenbricht, verschwindet auch die O2. Magnavox kündigt dennoch die nächste Generation, die Odyssey 3 mit 16kB RAM, einer echten Tastatur, einen verfügbaren Sprachsynthesizer und ein 300 bps Modem, an. Sie gehen sogar so weit, daß System auf der CES 1983 vorzustellen, aber es wird nur als sehr limitierte Ausgabe als G7400 in Europa verfügbar sein.

Screenshots: Odyssey 2

Bilder:

       


K.C.'s Crazy Chase - Magnavox 1982

Astro-nominal

Astrocade - Astrocade 1981 Auch Flipper-Gigant Bally schielt 1978 auf das VCS mit dem Bally Professional Arcade. Der Chefdesigner des Systems ist Jay Fenton, der durch das Münzspiel GORF berühmt wurde und dessen Hardware in dem neuen Heimsystem verwendet wird. Gunfight - Bally 1978 Das Bally-System besitzt einen 3,6 MHz Z80 Prozessor mit 4kB RAM, 8kB ROM und einer O2 ähnlichen Bildschirmauflösung. Es gibt einige einzigartige Erweiterungen, wie z.B. ein 24-Tasten Keypad, das für bestimmte Spiele mit einer Schablone bestückt werden kann. Die Module werden Videocades genannt, und haben fast genau die Ausmaße einer Audiokassette. Sie werden in eine Ladevorrichtung auf der Oberseite des Geräts eingesetzt. Vier Spiele sind im System eingebaut: Gunfight (eine gute Portierung des Spiels von Boot Hill), Checkmate (ein Spiel, das dem Videospiel-Film TRON vorauseilt), Calculator (ein Taschenrechner mit fünf Funktionen) und ein Zeichenprogramm mit Namen Scribble. Ein Cassettenrecorder-Interface kann zusätzlich erstanden werden, um Programme in Bally-BASIC zu speichern. Die Joysticks sind ähnlich denen des Channel F, mit einem drehbaren Knopf am oberen Ende, und einer 8-Richtung-Steuerung. Die Bally Joysticks sind wie Pistolengriffe geformt, mit einem Abzug anstelle eines Feuerknopfs. Kauft man zwei weitere Joysticks hinzu, können sogar vier Spieler gleichzeitig an der Konsole spielen. Auf der Rückseite der Maschine ist eine Rauchglasabdeckung, die es erlaubt die Spiele und Schablonen unterzubringen. Das Gerät verfügt sogar über einen drei Oktaven umfassenden Musiksynthesizer.

Muncher - Esoterica 1982Das Professional Arcade wird für US$ 300 auf den Markt gebracht, aber Bally ist auf den kräftigen Konkurrenzkampf um den Videospielemarkt nicht vorbereitet, und so verschwindet das Bally Professional Arcade auch schnell wieder. Zurückgelassen durch die plötzliche Stillegung der Produktion, kauft eine Gruppe von Hardcore-Usern, die die Vorzüge des Systems und seine BASIC Programmiersprache schätzen gelernt haben, die Rechte an dem System. 1981 gibt es eine verwirrende Serie von Namensänderungen; die Fans veröffentlichen erneut das Bally Computer System unter dem Firmennamen Astrovision, der dann in Astrocade geändert wird und die Astrocade produziert. Durch alle Reinkarnationen hinweg, ändert sich aber nur der Name, das System selbst bleibt unverändert. Über 45 Module werden über die ganze Zeit hinweg für das Gerät veröffentlicht, mit vielen weiteren BASIC Programmen, die von Cassette geladen werden können. Astrocade produziert auch einen recht bemerkenswerten Pac-Man Clone, aber erregt damit verständlicherweise den Unmut von Atari, dem Inhaber der Heim-Rechte an Namcos Spielhallenklassiker. Da das Spiel unter dem Namen nicht veröffentlicht werden kann, wird es leise über Hobbyzeitschriften als "TEST PROGRAMME" verkauft. Der Dritthersteller Esoterica veröffentlicht das Spiel schließlich unter dem Titel Muncher. Unnötig zu erwähnen, dass keine der vielzähligen Versionen der Bally Professional Arcade die Marktführung von Atari in irgendweiner Weise bedrohen. Über ein Viertel der frühen Heimvideospiele ereilt ein leiser Tod im Kampf der Videospiele.

Bilder:

 


K.C.'s Crazy Chase - Magnavox 1982



[ Level 1 | Level 2 | Level 3 | Level 4 | Level 5 ]