|
Texas, 1977. Als 15-jähriger besucht Richard
Garriott die Creek High School in Houston. Er schreibt Dungeon-Spiele auf einem Fernschreiber und bekommt
lauter Einsen von den verwirrten Lehrern. 1979 arbeitet er zeitweise in einem lokalen Computerladen und
entdeckt dort den Apple II. Er entscheidet für diesen Rechner ein Spiel in Applesoft BASIC zu schreiben, daß
auch seine anderen Interessen beinhaltet: Das Spielen von Dungeons & Dragons und das Lesen von Tolkien
(Herr der Ringe, Der kleine Hobbit). Es nennt das Spiel Akalabeth und stellt es im selben Sommer fertig.
In dem Spiel durchwandert der Spieler eine Karte aus ASCII-Symbolen und versucht Aufgaben, u.a. das Bekämpfen
von Kreaturen in schwarz-weißen Pseudo-3D Höhlen, zu lösen, die ihm von Lord British vorgegeben werden.
Das Spiel beeindruckt den Manager des Ladens so sehr, daß er
Garriott vorschlägt es zu verkaufen. Er investiert US$200 in Verpackungen und Cover, aber verkauft nur acht
Kopien auf Cassette. Aber eine Kopie landet an der Westküste bei der Softwarefirma California Pacific, die
Garriott nach Californien einfliegen lassen, um einen Vertrag über die Veröffentlichungsrechte mit ihm zu
machen. Als das Spiel auf 5 1/4" Disketten veröffentlicht wird, wird es ein großer Erfolg mit über 30.000
verkauften Kopien. Unzufrieden mit dem original Cover-Design, beauftragt Garriott Dennis Loubee mit dem
Entwurf eines neuen, der dann letztendlich auch die Cover aller weiteren Ultima-Spiele produziert. Alle seine
Spiele werden "Lord British" angerechnet, ein Spitzname, den ihm Komilitonen an der Universität von Oklahoma,
wegen seines perfekten Englisch, gegeben haben. Vielleicht half ihm dabei auch die Tatsache, daß er in
Cambridge, England, geboren wurde.
Im Herbst desselben Jahres schreibt sich Garriott an der Universität von
Texas ein. Obwohl er immer noch bei seinen Eltern zu Hause in Houston lebt, beginnen er und sein Freund Ken
Arnold mit einem anderen Spiel, daß von Garriott Ultimatum genannt wird und ebenfalls in BASIC geschrieben ist.
Es existiert aber schon ein Brettspiel mit selben Namen und so wird kurzerhand der Titel auf Ultima gekürzt. Es verfügt über eine
gekachelte Graphik mit derselben Draufansicht wie Akalabeth.
Es spielt in dem mystischen Land Sosaria, in dem unser Held Macht und Magie anwenden muß, um teuflische
Kreaturen, die im Lande umherziehen, niederzumetzeln , immer darauf bedacht weitere
Erfahrungs- und Kampfpunkte zu sammeln, für die allerletzte Kraftprobe mit dem obersten Bösewicht... dem
teuflischen Zauberer Mondain. Als es 1980 von California Pacific veröffentlicht wird, verkauft es sich gerade
mal etwas
mehr als das erste Spiel (eine Neuveröffentlichung kam 1986 von Origin auf den Markt, die über bessere Graphik
verfügte). Während er 1981 an Ultima II arbeitet, nimmt Gerriott vermehrt
Anleihen aus Terry Gilliams Film Time Bandits und benutzt Karten und Konzepte aus dem Film für sein Spiel.
Nachdem er sich mit California Pacific zerstitten hat, geht Garriott einen Handel mit Sierra ein. Sierra ist
die einzige Firma, die damit einverstanden ist, bei der Vermarktung von Ultima II eine Stoffkarte dem Spiel
beizulegen. Das zweite Ultima wird 1982 für den Apple II veröffentlicht; eine begrenzte Interaktion mit NPCs
(non-player characters; computergesteuerte Persönlichkeiten) ist nun möglich. Mit diesem Spiel beginnt auch der
Wechsel zu Assembler, was einen erheblichen Geschwindigkeitszuwachs für die Spiele bedeutet. Tief in seiner
Person als "Lord British" verwurzelt, erscheint Garriott auf
Softwaremessen im komplett königlichen Gewand; Krone, Umhang und mittelalterliches Schwert natürlich
eingeschlossen.
Nach der Veröffentlichung von Ultima II, verläßt er die Universität von Texas, um an Ultima nun vollzeit zu
arbeiten. Als Chuck Bueche Ultima II im Auftrag von Sierra für den Atari 800 portiert und dabei "Lord
British" trifft, werden sie Freunde... und Chuck wird zu Chuckles, der Clown, in der Ultima-Serie. Als Sierra
einen fragwürdigen Deal für eine PC-Version von Ultima II anbietet, entscheidet sich Garriott dafür, seine
eigene Firma zur Vermarktung zu gründen.
Origin Systems wird 1982 von Richard Garriott, seinem Bruder Robert und seinem Vater Owen gegründet
(die EA Hompeage behauptet zwar, es sei 1983 gewesen, aber das wohl nur deshalb, um Ultima II unter eigenem
Label zu veröffentlichen). 1983 steigt noch Chuck Bueche bei Origin ein. Im Herbst erscheint dann Ultima III , daß mit einigen wesentlichen
Verbesserungen aufwarten kann. Ein Mehrparteien-Spiel wird eingeführt, daß dem Spieler erlaubt bis zu vier
Abenteurer zu kontrolieren. Das Kampfsystem wird neu gestaltet und erlaubt dem Spieler in den Kampf hinein zu
zoomen und jeden Charakter direkt anzugreifen.
1984 unterzeichnet Origin einen Vertrag mit Electronic Arts und beginnt
mit der Arbeit an Ultima IV , dem ersten Spiel der "Avator"
Trilogie, die sich drastisch von der ersten Trilogie abgrenzt. Es ist das erste "etisch" basierte CRPG, das vom
Spieler verlangt auf moralische Fragen zu antworten, die dann den Spiel-Charakter bestimmen. An jede Aktion im
gesamten Spiel können sich die Bewohner dieser Welt erinnern und können z.B. Geschäfte verweigern, wenn die
eigene Ehre Flecken bekommen hat. Anstelle in der Welt einfach nur umherzustreifen, um irgendwelche Kreaturen
abzuwürgen, muß der Spieler die Tempel der acht Tugenden suchen und seinem eigenen Wesen hinzufügen.
Die Apple II Version erscheint 1985 und 1988 wird Ultima V die letzte Ausgabe für diese Plattform, da Origin von nun an
nur noch exklusiv für den PC produziert. Ultima VII erblick 1992 das Licht der Welt und ist das letzte Spiel
das selbständig von Origin entwickelt wurde, als EA die Firma kurz darauf aufkauft.
Ultima Underworld ist ein anderer großer Einschnitt in der Serie, da es eines der allerersten
3D-Spiele ist. Es erscheint 1993 und bietet gegenüber dem Produkt von id Software Castle
Wolfensein, einige technische Vorteile, darunter die Möglichkeit nach oben und unten zu blicken.
1997, Mitten in der Explosion der Multispieler-Spiele, veröffentlicht die Firma mit Ultima Online das größte Internet Spielesystem, das bisher
erdacht worden ist. Hier können Spieler durch das Ultima Universum mit ihrem menschlichen Alterego wandern,
Gilden beitreten und an Multi-Charakter Abenteuer, die von "Lord British" höchstpersönlich zugeteilt werden,
teilnehmen. Es gibt allerdings auch einige enttäuschte Spieler, die Origin 1998 deshalb verklagen, daß der
Online-Service keines der übertriebenen Versprechen - selbst ein Jahr nach seiner Gründung - erfüllt
hat.
Zusammen mit Chris Roberts Wing Commander hat die Ultima-Serie Origin einen starken Platz in der Welt
der Computerspiele verschaft. Ultima IX (Ultima Ascension) ist bereits für Ende 1998 angekündigt, fast 20 Jahre
nach Beginn der Herrschaft von Lord British. Dieser Erscheinungstermin wird aber z.Zt. immer wieder verschoben.
Momentan hofft man auf Mitte bis Ende 1999.
|