ReviewsCopyright: CHIP, Ausgabe Juli 1979 Freizeit-ProfiDie seit geraumer Zeit auf dem europäischen Markt angebotenen "Personal"- und "Home"-Computer verblüffen im allgemeinen immer wieder aufs neue durch ihre hohe Leistung im Vergleich zu ihrem relativ geringen Preis. Diese Geräte haben zum größten Teil eine nicht sehr umfangreiche Hardware, sondern ihre Leistung kommt durch eine meist sehr gute Betriebssoftware zustande. Beim TRS-80-Homecomputer von der Tandy-Corporation (eine Gesellschaft des US-amerikanischen Elektronikkonzerns Radio Shack) handelt es sich um einen 8-bit-Einplatinenmikrocomputer. Der TRS-80 hat eine Z-80 CPU von Zilog, die mit einer Taktfrequenz von 1,78 MHz läuft (wobei jedoch mit entsprechenden peripheren Bausteinen 2 ... 4MHz erreicht werden könnten). Der TRS-80 läßt sich in drei verschiedenen BASIC- und in der Z-80-Maschinensprache (in Verbindung mit dem TBUG oder ASSEMBLER/EDITOR) des Mikroprozessors Z-80 programmieren. Aufbau des Gesamtsystems Das Grundsystern des TRS-80 besteht aus drei Einheiten: der Tastatur, dem Video-Bildschirm und dem Kassettenrekorder sowie dem externen Netzteil für die Tastatur, in der der eigentliche Computer ist. Die Tastatur Bei der Tastatur handelt es sich um eine standardmäßige Ausführung, die den ASCII-Zeichensatz sowie eine Eingabetaste besitzt. Unter der Tastatur liegen in dem grauen Kunststoffgehäuse die Pla-, tine mit allen benötigten Bauteilen wie CPU, RAM und ROM, Taktgenerator und die Aufbereitung für das VideoSignal. An der Rückseite des Gehäuses sind die Anschlüsse für das Netzgerät, der Video-Ausgang und der Anschluß für den Kassettenrekorder. Des weiteren befinden sich auf der Rückseite eine 40polige Steckerleiste für die Erweiterungen über das Expansion- Interface, ein Reset-Taster sowie der Ein- und Aus-Schalter. Obwohl es sich bei der Tastatur um eine ASCII-Tastatur handelt, gefielen uns einige Dinge dabei doch nicht so ganz. Wir mußten uns fragen, warum denn nicht eine hochwertige Tastatur eingebaut wurde, wenn der Hersteller doch beabsichtigt, einen doch etwas ernsthafteren Interessentenkreis anzusprechen, wie es der Preis bei diesem System, wenn es ausgebaut ist, ausdrückt. Des weiteren fehlte uns die abgesetzte 10er-Block-Tastatur für die schnellere Dateneingabe. Leider ist es auch hier wieder so, daß uns die USA auf diesem Gebiet meilenweit voraus sind, denn in den Staaten gibt es diese erweiterte Tastatur für den TRS-80 schon seit einiger Zeit (wird bei uns wohl noch ein wenig dauern). Des weiteren ist man ein wenig verwöhnt, wenn man zuvor schon mit dem PET gearbeitet hat, denn bei dem kann man auf alle 64 ASCII-Zeichen ohne die Shift-Taste zugreifen, was hier leider nicht möglich ist. Ebenso fehlte die Beschriftung auf einigen Tasten für verschiedene Funktionen. "Shift @" bedeutet eine Unterbrechung des Programms, das dann einfach mit ENTER wieder gestartet werden kann (gut beim Auflisten). Auf den Tasten wäre genug Platz gewesen, um diese mit den zusätzlichen Sonderfunktionen zu beschriften, wie auch die Edit-Kommandos (könnten leicht aufgedruckt werden). Zu guter Letzt war die Tastatur bei unserem Testgerät sehr schlecht entprellt. Dies ist jedoch kein Hardwareproblem, sondern eine reine Softwareangelegenheit. Bei den LEVEL I-Maschinen tritt dieser Fehler nicht auf, so daß beim Drücken einer Taste gleich zwei oder dreimal das gleiche Zeichen auf dem Bildschirm erscheint. Die Firma Tandy-Corporation bietet jedoch ein kleines Maschinenspracheprogramm (55 Bytes lang) auf Kassette an, mit dem dieser Fehler behoben werden kann. Trotzdem ist unklar, wie man eine so billige Tastatur in ein Gerät einbauen kann, das den Anspruch erhebt, auch für kommerzielle Anwendungen verwendet zu werden. Machen es diese 200,- DM mehr für die Tastatur denn aus? Der Monitor Bei dem Video-Bildschirm handelt es sich um ein umgebautes handelsübliches Fernsehgerät, der die Video-Signale direkt vom Computer erhält. Er ist ebenfalls in einem grauen Kunststoffgehäuse untergebracht. Auf dem Bildschirm können max. 16 Zeilen zu je 64 oder auch 32 Zeichen sowie eine grobe Grafik von 48 mal 128 Bildpunkten dargestellt werden. Weiter lassen sich auf dem Schirm die ASCII-Zeichen (ohne Kleinschreibung) sowie die grafischen Blöcke darstellen. Auch an dieser Stelle könnte man die Frage stellen: Warum so billig? Bei unserem Testgerät stellten wir in den Ecken des Schirmes Unschärfen sowie ein Flimmern im oberen Teil fest, was jedoch eine Einstellungssache des Gerätes ist. Des weiteren ist das Netzteil des Bildschirmes zu schwach dimensioniert, denn bei viel "Weiß" auf dem Schirm nimmt die Helligkeit stark ab, was wohl auf dem Zusammenbrechen der Beschleunigerspannung der Bildröhre beruht. Beobachten kann man diesen Effekt am besten durch Weißschreiben des Schirmes mit folgendem kurzem LEVEL II-Programm: 10 CLS Wenn der Bildschirm voll ist, so ist er nun um einiges dunkler als zuvor. Die Zeichen können auf dem Schirm in zwei verschiedenen Weisen dargestellt werden. Einmal zu 16 Zeilen mit jeweils 64 Zeichen pro Zeile (ergibt 1024 Zeichen) oder aber mit 16 Zeilen zu je 32 Zeichen. Das Schriftbild erscheint bei 64 Zeichen pro Zeile stark gedrängt, was bei intensivem Arbeiten zur schnelleren Ermüdung führt. Bei 32 Zeichen pro Zeile ist die Schrift doppelt so breit und erlaubt ein ermüdungsfreies und augenschonendes Arbeiten, jedoch treten bei dieser Ausgabe kleine Schwierigkeiten mit der Formatierung auf. Der Kassettenrekorder Als Massenspeicher für die Daten und Programme wird ein handelsüblicher Kassettenrekorder verwendet. Die Übertragungsgeschwindigkeit ist hierbei von der Sprache abhängig. Sie beträgt beim LEVEL 1 250 Baud und beim LEVEL 11 ist sie doppelt so schnell: 500 Baud. Das Kassetteninterface arbeitete zufriedenstellend, wir hatten jedoch am Anfang Schwierigkeiten mit dem Einstellen der Lautstärke. Hier muß man durch verschiedenes wiederholtes Einladen von Programmen die optimale Lautstärke ermitteln. Mit Hilfe des eingebauten Bandzählwerks kann man auch auf einer längeren Kassette (z.B. C-60) mehr als ein Programm unterbringen, indem man sich die Startzahlen der Programme aufschreibt. Expansion-Interface, Floppy, Drucker Das Expansion-Interface ist ebenfalls in grauem Kunststoff gehalten und kann unter den Monitor gestellt werden, wo es wenig Platz wegnimmt. Im ExpansionInterface befindet sich eine Platine, die folgende Baugruppen enthält: FloppyController, Drucker- Interface, ParallelInterface, Dekodierung für zwei Kassettenrekorder sowie Platz für zusätzliche RAM, serielles Interface und verschiedene andere Baugruppen. Das Expansion-Interface wird über eine 40polige gepufferte Flachbandkabelleitung mit dem TSR-80 verbunden. Im Interface-Gehäuse ist noch Platz für die beiden Netzteile (eines für TRS-80 und eines für das Interface) vorhanden. Um die Floppies betreiben zu können, benötigt man mindestens einen LEVEL II-Computer sowie das Expansion-Interface, das ja den Floppy-Controller enthält. Es sind bis zu vier Floppies an das Interface anschließbar. Verwendet werden 5"-Floppies, die in 35 Spuren mit je 10 Sektoren von je 256 Bytes pro Sektor organisiert sind. Auf einer leeren Diskette lassen sich max. 89 600 Bytes speichern. Die Floppies haben eine Baudrate von 12 500 und die Disketten drehen sich mit einer Geschwindigkeit von 300 min-'. Sie haben eine mittlere Zugriffszeit von ca. 300 ms. Mit den Floppies wird das DOS und das Disc-BASIC zum Betreiben der Floppies mitgeliefert. Beängstigend war für uns nur die Wärmeentwicklung an der Rückseite des Gerätes, die sich auf das ganze Gehäuse ausbreitete. Diese Wärme kommt von den rückseitigen Netztrafos. Als Drucker werden momentan von Tandy zwei verschiedene Modelle angeboten. Der erste ist ein Bildschirmdrucker, der mit Metallpapier arbeitet und immer nur den Inhalt einer Bildschirmseite ausdrucken kann. Der Drucker kann alle ASCII-Zeichen inklusive Kleinschreibung mit einer Geschwindigkeit von max. 150 Zeilen/min bei einer Zeilenbreite von max. 80 Zeichen ausdrucken. Die Zeichen werden in einer 5 x 8-Matrix dargestellt. Das Metallpapier gibt es bei Tandy. Beim zweiten angebotenen Drucker handelt es sich um einen Centronix 779 in einem anderen Gehäuse, den es entweder mit Rollenpapier oder mit Tractor gibt. Er hat eine Druckgeschwindigkeit von max. 110 Zeichen pro Sekunde und benötigt Normalpapier, das es in den meisten einschlägigen Geschäften gibt. Dieser Drucker gibt die Zeichen ebenfalls in einer 5 x 8-Matrix aus. Für die Floppies und das ExpansionInterface bestehen derzeit bei Tandy Lieferschwierigkeiten. Sie betragen z.Z. 6 bis 8 Wochen. In unserem Test haben wir nun verschiedene Beobachtungen am Gerät und der Peripherie festgestellt. Die Rechen- und Verarbeitungsgeschwindigkeit Obwohl der TRS-80 die "Super" CPU Z80 als zentrale Recheneinheit besitzt, gehört er nicht gerade zur schnellen Truppe der Mikrocomputer auf dem Markt. Die CPU, also damit auch die gesamte Anlage, wird mit einer Taktfrequenz von 1,78 MHz betrieben. Verkraften könnte die CPU jedoch bei geeigneter Peripherie einiges mehr. Der TRS80 ist im Schnitt um ca. 10% langsamer als der PET oder der APPLE 11, obwohl der PET z.B. mit einer Taktfrequenz von nur 1 MHz läuft. Es liegt also an der Betriebssoftware und dem BASIC-Interpreter. Geteilt Der TRS-80 besteht in der Grundausstattung schon aus vier (!) getrennten Einheiten, die drei Netzsteckdosen voraussetzen. Wenn man nun noch das Expansion-Interface, einige Floppies und einen Drucker verwendet, so muß man wirklich ein kleiner Zauberkünstler sein, um die ganzen Kabel und Verbindungen einigermaßen schön, ohne einen Spezialschreibtisch zu verwenden, aufräumen zu können. Ein komplettes System mit vier Floppies, Drucker, zwei Kassettenrekordern benötigt nun schon 10 (zehn!) Steckdosen. Wäre es denn nicht möglich, ein wenig energiebewußter zu denken, denn jeder kleine Trafo erzeugt ja auch wieder einige Verluste, die sich dann summieren. Ebenso ist es mit der Wärmeentwicklung. Am Gehäuse unseres TRS-80 wurde nach längerem Betrieb (mindestens 24 Stunden eingeschaltet) an den rückwärtigen Lüftungsschlitzen eine Temperatur von 44 °C gemessen. Die Floppies hatten eine Temperatur von 39 °C, während die anderen Teile des Systems (Monitor, Netzteile) im allgemeinen in guten Bereichen blieben (unter 35 °C). Brauchen Sie einen MW-Sender? Beim Kauf eines TRS-80 hat man zusätzlich noch einen kleinen Miniatursender dazubekommen. Der TRS-80 sendet im eingeschalteten Zustand bei einer Frequenz von 15,85 kHz mit einem relativen Schalldruck von 36,8 dB. Dieser Wert liegt gerade noch an der Hörgrenze und wird deshalb vom Anwender als mehr oder weniger störend empfunden. Weiter ist jedoch der TRS-80 auch im Radio deutlich hörbar, wenn die Antenne im gleichen Raum ist (Mittelwelle AFN München ist gestört). Die Software - Der Editor Der TRS-80 besitzt, wenn man eine LEVEL II-Maschine hat, einen Texteditor, mit dem sich die Fehler eines Programmes, ohne neue Eingabe der ganzen Programmzeile, komfortabel verbessern lassen. Mit dem Editor lassen sich Zeichen einfügen, löschen, austauschen, suchen und entfernen. Der Editor wird automatisch aufgerufen, wenn im Programm irgendein syntaktischer Fehler auftritt. Schön wäre es noch, wenn der Editor das ganze im Arbeitsspeicher befindliche Programm verwalten könnte und nicht nur die aktuelle Programmzeile. Die Programmiersprachen (BASIC) Der TRS-80 kann in drei verschiedenen BASIC-Versionen ausgeliefert werden, wobei sich die einzelnen Versionen stark durch ihre Leistungsfähigkeit unterscheiden. Da die Programme in der jeweiligen Sprache vom BASIC- Interpreter verschieden aufgezeichnet werden, sind sie nicht so ohne weiteres untereinander kompatibel, sondern müssen erst durch die mitgelieferte Software umgewandelt werden. Es folgt nun eine Beschreibung der drei verschiedenen BASIC, ihre Leistungsunterschiede und ihre Besonderheiten: LEVEL I-BASIC Diese Version des TRS-80 BASIC ist im Gehäuse (Gehäuse ist Tastatur und CPU-Platine) in 4-KByte-ROM untergebracht. Bei dieser Version handelt es sich um eine relativ leistungsfähige Programmiersprache (für 4-KROM), die dem Anfänger in Verbindung mit der Dokumentation gute Einstiegsmöglichkeiten in die Materie der Mikrocomputer und des Programmierens in BASIC (Tiny BASIC) gibt. Der LEVEL I-BASIC-Befehlssatz sieht folgendermaßen aus (alphabetisch geordnet): ABS (x) Ergibt den Absolutbetrag von x Als Variablennamen können die Buchstaben A bis Z verwendet werden. Strings sind nur in A$ und B$ mit jeweils max. 16 Zeichen möglich. Weitere Textbehandlung (-verarbeitung) gibt es nicht. Als Feld kann nur das eindimensionale Feld A(n) verwendet werden, wobei die Anzahl der Elemente n nur durch den Speicherplatz begrenzt ist. Man kann jedoch durch einen kleinen Programmiertrick das Feld auch mehrdimensional gestalten (wird weiter unten beschrieben). LEVEL I-BASIC hat eine Rechengenauigkeit von max. 6 Stellen nach dem Komma. LEVEL II-BASIC (Extended BASIC) Hierbei handelt es sich um eine stark erweiterte Version des Tiny-BASIC mit einer großen Leistungsfähigkeit. Es hat einen sehr großen Befehlssatz zuungunsten des Benutzerdialogs. Das BASIC ist auf einer Zusatzplatine im Gehäuse in 12K-ROM untergebracht. Es gelten die Befehle des LEVEL I-BASIC, mit dem folgenden, erweiterten Befehlssatz: ASC (A$) Ergibt den ASCII-Wert für das erste Zeichen von A$ (A$ = eine Zeichenkette, String) Das LEVEL II-BASIC hat eine max. Genauigkeit von 16 Stellen nach dem Komma. Eine nochmalige Steigerung des Befehlssatzes des LEVEL II erhält man, wenn man Floppy Disc und die dazugehörige Betriebssoftware verwendet. Die Disketten werden mit DOS (Disk-Operating-System) kontrolliert. Dazu gibt es noch ein Disk-BASIC, das nur in Verbindung mit dem DOS verwendet werden kann. Da das DOS und das Disk-BASIC nicht permanent in ROM, wie z.B. das LEVEL I, abgelegt ist, werden, wenn das Disk-BASIC (in Verbindung mit DOS) benötigt wird, vom RAM-Arbeitsspeicher leider ca. 10 KByte vom Betriebssystem belegt, so daß diese dem Anwender nun nicht mehr zur Verfügung stehen. CHIP-Wertung: GUT: 1. leistungsstarke Programmiersprache Extended-BASIC Schlecht: 1. Tastatur |